Kinder- und Jugendmedizin / Schwerpunkte / Schlaflabor

Dr. Friedrich Herrmann, Oberarzt
Rolf Derfuß, Assistenzarzt

Anmeldung auf Station 1B:
Tel.: 02241 249-305
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In unserem Schlaflabor wird der Schlaf der Patienten analysiert. Dazu werden zahlreiche Körperfunktionen gleichzeitig gemessen und kontinuierlich aufgezeichnet. Man nennt die Untersuchung deshalb "Polysomnographie" (PSG) - von griechisch bzw. lateinisch: polys = viel, somnus = Schlaf und graphein = schreiben.


Der normale Schlaf

Der Schlaf ist kein gleichförmiger Zustand, sondern ein komplexer Prozess, der in verschiedenen Phasen abläuft, die sich mit Hilfe der Hirnstrommessung (= Elektro-Enzephalo-Gramm, EEG) einteilen lassen. Dabei durchläuft der Mensch so genannte Schlafstadien vom Leichtschlaf über den Tiefschlaf bis hin zum Traumschlaf, der auch REM-Schlaf (REM = rapid eye movements) genannt wird. Die Schlafphasen haben unterschiedliche Auswirkungen auf das vegetative Nervensystem und damit auch z.B. auf Atmung und Herzfrequenz, die sich ebenfalls kontinuierlich messen lassen. So kommt es im Schlaf z.B. zu einer Abnahme des Atemantriebes und zu einer Zunahme von Atempausen; dies bleibt jedoch normalerweise ohne Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem und die Sauerstoffversorgung des Organismus.


Schlafstörungen als Ursache für Erkrankungen

Für den Erholungswert des Schlafes ist nicht allein die Dauer entscheidend, sondern auch das periodische Wechseln der verschiedenen Schlafphasen und besonders die ungestörte Regulation vegetativer Funktionen wie z.B. der Atmung. Quantitative und qualitative Abweichungen können Ursache von Beschwerden sein, die den Patienten tagsüber beeinträchtigen: Bei größeren Kindern und Jugendlichen z.B. Schwierigkeiten morgens wach zu werden, Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Leistungsabfall mit Problemen in Schule und Beruf. Bei Säuglingen und Kleinkindern z.B. Gedeihstörungen und Störungen der psychomotorischen Entwicklung. Darüber hinaus wird das Risiko für den Plötzlichen Säuglingstod (SID = Sudden infant death) mit Störungen der Atemregulation während des Schlafes in Verbindung gebracht.

Die Abklärungen sog. "unklarer Ausnahmezustände" oder "akut lebensbedrohlicher Ereignisse" im Säuglingsalter und die Untersuchung des SID-Risikos ist der häufigste Grund für eine Polysomnographie in unserem Schlaflabor. Ebenfalls wichtig ist die Abklärung eines sog. "obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms" (obstruktiv = verstopfend, Apnoe = Atempause). Hierbei wird untersucht, ob die Atmung durch große Mandeln (Tonsillenhyperplasie), "Polypen" (adenoide Vegetationen), einen weichen Kehlkopf (Tracheomalazie) oder Kieferfehlbildungen so stark behindert wird, dass die Sauerstoffversorgung des Organismus beeinträchtigt ist. Weitere Indikationen sind z.B. Störungen der Atemmechanik bei Fehlbildungen des Brustkorbes, neuromuskuläre Erkrankungen oder die Optimierung einer künstlichen Beatmung.


Eine Nacht im Schlaflabor

Der Patient wird nachmittags auf einer pädiatrischen Station aufgenommen. Nach Anamnese und Untersuchung bleibt zunächst etwas Zeit für Kind und Eltern, sich auf der Station einzuleben. Gegen 21.00 Uhr kommt der sog. "Ableiter", ein Medizinstudent, der die Polysomnographie durchführt.

Der Patient wird nun mit seinem Bett ins Schlaflabor geschoben. Da die technischen Einrichtungen mobil sind, kann die Polysomnographie prinzipiell überall in der Klinik durchgeführt werden. Ein ruhiger, kühler und dunkler Raum und eine optische und akustische Trennung von technischen Geräten und Schlafstelle sind aber erforderlich.

Im Schlaflabor legt der Ableiter nun die Elektroden und Sensoren an: 4 Elektroden an Kopf und Stirn für das EEG, 2 seitlich der Augen für das EOG (= Elektrookulogramm, d.h. Messung der Augenbewegungen), 3 an der Brustwand für das EKG, eine Sonde an der Nase zur Messung des nasalen Atemstromes, jeweils einen Bauch- und einen Brustwandgurt für die Messung der Atembewegungen und einen Sensor für die Messung der Sauerstoffsättigung. Bei Bedarf können zusätzliche Sensoren für die Arm- und Kinnbewegungen angeschlossen werden, mit einem Mikrofon Schnarchgeräusche und mit einer Photozelle das Licht aufgezeichnet werden. Die Verbindung zum Computer erfolgt über lange Kabel, um die Beweglichkeit der Kinder während des Schlafes möglichst wenig zu beeinträchtigen. Während der Untersuchung zeichnet eine Infrarot-Videokamera den Schlaf des Patienten auf.

Wenn alle Elektroden und Sensoren angeschlossen sind und korrekte Signale liefern, startet der Ableiter das Aufzeichnungsprogramm. Am Bildschirm beobachtet er nun die Aufzeichnung der Biosignale und kann Probleme wie z.B. das Ablösen von Elektroden rasch erkennen und beheben. Auch kann er die Aufzeichnung unterbrechen, wenn das Kind z.B. sehr unruhig ist oder zum Füttern oder Wickeln aus dem Bett genommen werden muss. Für den Arzt, der die Polysomnographie auswertet, fügt er in diesen Fällen Textkommentare ein. Wenn das Kind in den Morgenstunden aufwacht, wird die Aufzeichnung beendet.


Anmeldung zur Polysomnographie

Anmeldungen zur Polysomnographie nehmen wir gerne auf Station 1B unter der Telefonnummer 02241 249-305 entgegen. Wir bitten um einen Einweisungsschein von Ihrem Kinderarzt. Für Fragen zum Thema Schlaflabor stehen Dr. Herrmann und Dr. Derfuß gerne zur Verfügung.